Workshop: „Hoffnungsträger Zivilgesellschaft? Leistungen und Grenzen eines politischen Konzepts“ (PD Dr. Rudolf Speth), 2.–3. November 2006


Zu einem der Kernthemen des Graduiertenkollegs, dem Begriff der Zivilgesellschaft und dessen Leistungen und Grenzen, fand am 2. und 3. November 2006 ein Workshop statt. Als Referent konn-te PD Dr. Rudolf Speth, Berlin, gewonnen werden, der sich nicht nur auf wissenschaftlicher Ebene, sondern auch in der Praxis als Mitarbeiter der Enquête-Kommission des Bundestages „Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements“ mit dem Konzept der Zivilgesellschaft auseinandergesetzt hat.
In einem öffentlichen Abendvortrag lieferte PD Dr. Rudolf Speth die begrifflichen und theore¬tischen Grundlagen für den am Folgetag abgehaltenen Workshop. Dieser unterteilte sich in drei Einheiten. Zum ersten wurde der Begriff der Zivilgesellschaft in historisch-ideengeschichtlicher Perspektive analysiert. In der zweiten Einheit ging es um aktuelle Forschungsfragen rund um das Konzept Zivilgesellschaft. Drittens wurde die Relevanz des Konzepts Zivilgesellschaft im Lichte der politischen Praxis angesprochen.
Zivilgesellschaft, so die Erkenntnis, ist ein komplexer Begriff, dessen Wurzeln bis in die Antike zurückreichen. Im Konzept einer „bürgerlichen Gesellschaft“ hat der Begriff der Zivilgesellschaft seinen Vorgänger, wurde zwischenzeitlich in den Hintergrund der wissenschaftlichen Debatte ver-drängt und hat, insbesondere seit dem Zusammenbruch der realsozialistischen Staaten Osteuropas 1989, eine Renaissance erfahren. Mit dem Begriff der Zivilgesellschaft umfasst man heute in der Regel zunächst einen gesellschaftlichen Raum oder die Gesamtheit aller Assoziationen, die auf freiwilligem Zusammenschluss der (Staats-)Bürger beruhen. Diskutiert wurde in diesem Zusam-menhang, wie normativ der Begriff zu verstehen ist und wie sich die Grenzen der Zivilgesellschaft definieren lassen. Durch die Einbeziehung der Dissertationsthemen der Teilnehmerinnen und Teil-nehmer wurde die Beschäftigung mit dem Begriff der Zivilgesellschaft noch einmal erweitert: Es stellte sich die Frage, ob, und wenn ja, wie weitgehend, eine funktionierende Demokratie zivilge-sellschaftliches Engagement braucht, um sich zu konsolidieren und als stabil zu gelten.